Stellungnahme zum geplanten neuen Stadtteil Dietenbach

Stadt Freiburg Gabriele Plappert Projektgruppe Dietenbach Lernort Kunzenhof e.V
Fehrenbachallee 12
Gebäude A
79106 Freiburg

Beteiligung der Öffentlichkeit im Rahmen der strategischen Umweltprüfung für den geplanten neuen Stadtteil Dietenbach

Stellungnahme:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Am Donnerstag, 1. März wurden im Rahmen des öffentlichen Bürgerforums die 4 Sieger-Entwürfe zum geplanten neuen Stadtteil Dietenbach vorgestellt.

Nahezu gleichzeitig hatte das Umweltschutzamt eingeladen zum Workshop „Klimaschutz und Lebensstil“ mit dem Ziel einen Maßnahmenkatalog zur Förderung eines klimabewussten Alltags- und Konsumverhaltens zu erstellen.

Hintergrund ist der einstimmige Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2014, die Co2 Emissionen in Freiburg bis zum Jahr 2030 zu halbieren und bis 2050 ganz auf null zu stellen! Im einleitenden Referat wurde deutlich, dass im bisherigen Schneckentempo mit vollkommen überhöhten Co2-Emissionen dieses Ziel in Freiburg in keiner Weise zu erreichen sein wird.

Nun ist der damalige Gemeinderatsbeschluss allerdings keine Kleinigkeit.

Wir stehen allesamt in Freiburg und auf der ganzen Welt mit dem Klimawandel vor der größten Herausforderung der Menschheitsgeschichte. Die Studie „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome aus dem Jahre 1972 ist Jahrzehnt für Jahrzehnt mehr Wirklichkeit geworden. Für immer neue Studien, Klimaberichte, Milleniumsziele, Nachhaltigkeitsstrategien werden Millionen Euro investiert, anstatt dem Wachstumswahnsinn entschlossen Einhalt zu gebieten.

Die Zukunft unserer Erde steht in der Hand jedes einzelnen mündigen Bürgers aber ebenso in der Verantwortung von unseren VertreterInnen in der Politik.

Im Kapitel „Natur- und Artenschutz“ der Auslobung des Städtebaulichen Wettbewerbs Dietenbach wird u. A. benannt: „Neue Studien belegen, dass Stadtnatur nicht nur die Lebensqualität der Stadtbewohner anhebt, sondern auch einen bedeutenden ökonomischen Wert besitzt. Natur in der Stadt verbessert die Luftqualität und das Stadtklima, mildert Hitzewellen und mindert Lärm…“ dem haben ja alle 4 Preisträger Rechnung getragen.

Alle Entwürfe waren auffällig grün gezeichnet, Grünspangen, Schwarzwaldblick, Natur noch und noch.

Die Wahrheit liest sich allerdings nicht so grün: Über hundert Hektar wertvoller Ackerboden und Grünland: bewachsener Boden, neben den Wäldern der größte Co2- Speicher auf unserer Erde, kostbarstes Gut einer Stadt, für heute und für nachfolgende Generationen werden versiegelt, zubetoniert für immer vernichtet.

Die Zeiten haben sich geändert! Im Dietenbach ist nicht „Platz zum Bauen“, heute gilt es mehr denn jemals zuvor in der Erdgeschichte jeden qm fruchtbaren Boden wie Gold zu schützen und zu erhalten, aus Verantwortung für die Zukunft unserer Stadt, aus Verantwortung für nachfolgende Generationen.

Wo heute vielleicht aus Überlebensnot der Bauern Mais auf dem Feld wächst, kann morgen schon ein blühender Garten oder ein solidarisches Landwirtschaftsprojekt entstehen.

Die Zeichen dafür stehen deutlich an. Wird die Stadt weiter wachsen, für 600Millionen € der Boden versiegelt, sind weitere 100ha Co2-Speicher für immer für den Klimaschutz verloren, werden weitere Bauern ihr Hoftor für immer schließen.

Es gibt keine „Ausgleichsflächen“, es sei denn sie werden anderen Bauern weggenommen.

Die Frage einer Teilnehmerin am Klima-Workshop des Umweltschutzamtes war:
„Wie fließt das hier bekannt gegebene und erarbeitete in die anderen Gremien der Stadt Freiburg ein?“
Die Antwort war eindeutig: „Da müssen natürlich dann alle Bedürfnisse gegeneinander abgewogen werden“.

Hier sehen wir die Ursache, warum trotz aller Lippenbekenntnisse das Handeln seit Jahrzehnten kaum zufriedenstellende Ergebnisse zeigt.

In der Ausschreibung zum Wettbewerb liest sich das dann so:
„Die Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit mit einer höchstmöglichen städtebaulichen Qualität (als Basis für eine künftige rechtssichere Planung) gehört zu den besonderen Herausforderungen des Wettbewerbs.“
Und dann heißt es am Ende „Aus Kostengründen mussten wir leider….“oder „….das war leider nicht finanzierbar“

Wir halten es für dringend angebracht und fordern die verantwortlichen Stadt- und RegierungsvertreterInnen auf, die Fortführung dieses rückwärtsgerichteten, landschaftszerstörenden Bauvorhabens zu beenden und alle Energie und Geld zielstrebig in eine wirklich nachhaltige Stadtentwicklung zu investieren.

Diese ist gewiss umständlicher, evtl verdienen weniger Investoren daran. Allerdings gibt es Vorschläge , Beispiele und Ideen in Fülle, die Wohnungsknappheit in Freiburg auf wirklich nachhaltigem Wege zu verändern.

Mit freundlichem Gruß,
Gabriele Plappert, Lernort Kunzenhof

P.S.: Auch beim Ausbau der B 31 hatten wir 1994 gewarnt: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“. Im Sinne des „Gemeinwohls“ wurden wir überrannt. Am Sonntag, den 4. März kann man es auch in der Zeitung lesen, wieviel Leid diese Straße den Menschen gebracht hat, ganz zu schweigen von der hohen Feinstaub-und Abgasbelastung.

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