Geschichten und Erlebnisberichte

Das große Wanderwochenende der „Mädchen am Kunzenhof“ mit Ziegen, Eseln und einer Übernachtung im Wald

Am Morgen des 22. Julis 2011 machten sich die „Mädchen am Kunzenhof“ zum Abschluss des Schuljahres auf den Weg, um vom Kunzenhof über den Kybfelsen auf den einige Kilometer südlich gelegenen Sohlacker zu wandern.
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Dabei wurden sie nicht nur von zwei Kunzenhofer Ziegen, sondern auch von den Eseldamen Rosalie und Leila begleitet, die beim Tragen des Gepäcks große Hilfe leisteten.
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Dieses abenteuerliche Erlebnis wurde schließlich durch eine Übernachtung in Hängematten und auf Isomatten im Unterstand des Sohlackers gekrönt.

Dieses Wochenende stellte ein außergewöhnlich intensives Naturerlebnis für die 12- bis 14-jährigen Mädchen dar, bei dem sie sich nicht nur im Ziegen- und Eselführen sowie im Holzsammeln und Feuermachen üben konnten.
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Verwöhnt von einem warmen, mit Elektrizität und Wasser versorgten Zuhause, erlebten die Mädchen an diesem Wochenende, wie ein Leben ohne all das aussieht und wie gut es dennoch funktionieren kann.

So konnte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie gut uns die Natur versorgt, wenn wir sie im Gegenzug pflegen, schützen und unsere Ansprüche auf das reduzieren, was wir eigentlich brauchen.

Die Mädchen stellten unter Beweis, dass uns schon eine Kilometer weit entfernte Quelle und ein Waldhang voller Äste mit so viel Wasser und Wärme versorgen können, wie eine fröhliche Gruppe von sieben Mädchen und zwei Frauen für ein verregnetes Sommerwochenende brauchen.
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Doch auch mit Nahrung versorgt uns unsere nächste Natur in Hülle und Fülle.

Die Mädchen sammelten auf der Wiese des Sohlackers Teekräuter und fanden dabei zudem einen riesigen Parasolpilz, der das Grillbuffet um eine weitere Leckerei bereicherte.

Die Ziegenmilch für das Müsli-Frühstück molken die Kunzenhof-erprobten Mädchen schließlich auch selbst.

Neben dem Spaß, mit dem dieses erlebnisreiche Wochenende verbunden war, erfuhren die Mädchen Selbstständigkeit, Naturnähe und Gruppenzusammenhalt in einem Maß, wie es im gewöhnlichen Schulalltag nur schwer vermittelt werden kann. Gleichzeitig bilden diese Werte eine wichtige Grundlage für die charakterliche Entwicklung junger Menschen.
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Einige Mädchen verfassten einen Aufsatz bzw. ein Gedicht, um darin ihre Eindrücke zu dieser Wanderung zu beschreiben.

Bericht über den Besenbinder-Workshop am 4. Mai auf dem Kunzenhof

von Philine

Am 4. Mai fand auf dem Kunzenhof ein Besenbinderkurs statt, mal wieder ein Highlight in Sachen altem Wissen und Nachhaltigkeit.

Siegfried Werner, 75, Landwirt und Besenbinder seit seinem 8. Lebensjahr, kam dafür von der Schwäbschen Alb angereist. Der Kurs entpuppte sich als Lehrstunde des  bäuerlichen Wissens und wir hatten großes Glück, es so „hautnah“ vemittelt zu bekommen.

Seine handgefertigten Besen bestehen einzig aus Material, das uns die Natur schenkt – und seiner eigenen Arbeit. Kein Nagel, kein Draht, kein Plastik und alles kann wieder zu Erde werden.

Und sie sind richtig gut: Viele Stadtverwaltungen aus der Schweiz  und aus Baden-Würrtemberg bestellen hunderte Besen bei ihm.

Sie wissen, was sie an ihnen haben, aber ihren Wert können sie nicht schätzen. Fünf Euro soll nach ihnen der Lohn pro Stück sein. Dank des Kurses bekamen wir einen Eindruck vom eigentlichen Wert dieser Reisigbesen.

Alles Material wird von Hand und auf schonendste Weise gesammelt. Das Birkenreisig muss im Dezember und Januar geholt werden, da dann der Saft der Birke ruht und das Reisig nicht bricht.

Das bedeutet Eis, Schnee, Minusgrade und eine lange Suche nach den richtigen Birken. Denn die Birken dürfen nicht zu alt und nicht zu jung sein und das Reisig darf nur aus den mittelhohen Ästen kommen.

So wählt Herr Werner das Material  mit Fingerspitzengefühl aus. Der Stiel ist meistens Kiefer, kann aber auch Haselnuss sein.

Siegfried Werner in Aktion

Im Sinne der Schonung werden in Absprache mit dem Förster nur bereits abgestorbene Bäumchen ausgewählt.

Zu guter Letzt werden zum Festbinden und Zusammenhalten Weidenzweige benötigt. Auch diese müssen im Winter geschnitten und kurz vor dem Binden im Frühjahr gewässert werden.

Dann fängt das Binden an: Mit den Weiden wird das Reisigbündel mehrmals fest und stramm zusammengezurrt, mit großem Geschick und viel Kraft in den Händen. Es ist wahrlich ein Wunder, was Weiden alles aushalten können!

Nun wird der zuvor am Schnitzesel entrindete und angespitzte Besenstiel in das festgebundene Reisigbündel getrieben. Er hält bombenfest! Ohne die Mühe und die Zeit der Materialbeschaffung ist unser erster Besen nach fast zwei Stunden fertig! Er ist einfach schön, solide, ein Kunstwerk aus reinen Naturmaterialien – und garantiert unbezahlbar!

Die stolzen Besenbinder nach getaner Arbeit

Nebenbei erzählte uns Herr Werner vom bäuerlichen Leben früher. Wir hörten, wie man die Felder und Wiesen ohne Maschinen geerntet und wie man Heu gemacht hat und wir sahen, wie man Getreide gebündelt hat.

Dabei wird klar, in den letzten 60-70 Jahren seines Lebens hat sich so rasant viel geändert.

Wir sind mit einem Riesensprung in einem vermeintlichen Wohlstand und einer körperlichen Mühelosigkeit angekommen.

Aber wir sind auch in einer Riesenentfernung von einem fürsorgenden, umsichtigen und nachhaltigen Leben gelandet. Die Idee der Nachhaltigkeit ist so alt – beim Besenbinden am Lernort Kunzenhof konnten wir begreifen, was mit Nachhaltigkeit gemeint ist.

Honig schleudern mit dem Imker

Eine ganz besondere Premiere erlebte der Kunzenhof am 27. Mai 2011 dank Gernot Wewetzer.

Der Imker führt schon seit einigen Jahren die lange Bienentradition auf dem Kunzenhof fort, aber erstmals hat jetzt ein Volk auch hier überwintert und ist bei der üppigen Obstblüte gleich kräftig zur Tat geschritten.

Herr Wewetzer mit Honigwabe
Das Resultat können wir schon bestaunen: die Kirschbäume sind schwer vor süßem Rot, und obwohl unsere Apfelbäume eigentlich nur in jedem zweiten Jahr Frucht bringen, kann man schon jetzt deutlich sehen, dass auch diesen Herbst, wie im vergangenen, wieder ein reicher Apfelsegen ins Haus steht.

Den Kindern aller Freizeitgruppen boten Herr Wewetzer und sein Sohn nun an, beim „Ernten“ des Honigs dabei zu sein und einen Einblick in die faszinierende Welt der Bienenvölker zu gewinnen.

Ihre Ruhe und Gelassenheit beim Umgang mit den Bienen waren ansteckend, und so konnten die Kinder aus allernächster Nähe bestaunen, wie viel Leben sich im Bienenkasten und auf jeder einzelnen Wabe tummelt. Ohne dass jemand vor den friedliebenden Tieren Angst haben musste!

Honig schleudernVier der honigschweren Waben durften die Kinder dann in der Werkstatt zuerst entdeckeln und dann mit Hilfe der Schleuder den herrlichen goldenen Honig daraus befreien.

Die ganze Zeit über wurde natürlich genascht, und beim abschließenden Tee- und Honigbrotvesper waren sich alle einig: Honig ist nicht nur lecker, sondern auch sehr, sehr kostbar, die Welt der Bienen ist geheimnisvoller und rätselhafter als wir uns vorstellen konnten, und eine solche Veranstaltung wird es hoffentlich wieder geben…

Vielen Dank für einen spannenden und leckeren Nachmittag!

 

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